Sitten und Bräuche in Schillingstedt



Über Sitten und Bräuche in Schillingstedt

Luis Naumann einer der wichtigsten Heimatforscher unseres Kreises (Eckartsberga) beginnt sein Kapitel „Sitte und Brauch“ im Buch die „Geschichte des Kreises Eckartsberga“ mit dem Satz „Nicht was heute Sitte und Brauch ist will ich im Bilde festhalten, was unsere Voreltern als solche gepflegt, davon soll meine Feder sagen“. Die Sitten und Bräuche im Kreis Eckartsberga waren von Ort zu Ort verschieden. Selbst zwischen nahe gelegenen Ortschaften wie z.B. Schillingstedt und Beichlingen gab es Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten. So beim Ausstreuen des Leins, da hat man den Sack lang hängend getragen damit der Lein recht lang werde. Ein Brauch war im Kreisgebiet recht verbreitet wurde aber im Jahre 1885 schon nur noch in Frohndorf und Schillingstedt geübt. Kehrte der Knecht von der ersten Aussaat zurück oder kamen die Mägde vom ersten Grasholen heim, wurden sie mit Wasser begossen. Das wurde gemacht, damit sie das Jahr über fleißig waren. Gern und willig gab der Herr des Gutes den Arbeitern ein Geldstück zu einer Erquickung bei schwerer Erntearbeit, wenn sie beim Betreten des Erntefeldes von einem Schnitter oder Schnitterin mit einem Strohseile hier und da mit Blumen durchsetzt, geschmückt wurden. Die Sitte war im ganzen Kreisgebiet verbreitet, auf den Dörfern wie in den Städten. 1885 waren es aber nur noch Saubach und Schillingstedt. Mit dem Schmause bei dem Erntetanz war die Freigiebigkeit des Herrn verbunden. Bei Beendigung des Drusches gab es für die Drescher eine kleine Abspeisung. Die Räume zu beiden Seiten der Tenne durch einen mannshohen Verschlag von der selben getrennt, hießen „Schutz“ oder „Banßen“. Damit hingen auch die Namen für die dem Dreschern gegebene Mahlzeit zusammen. In Schillingstedt, Leubingen und Beichlingen hießen diese einfach Dreschergeschenk.


Ein flüchtiger Gang durch die Gebräuche der festlichen Tage

Aus Tilles „Die Geschichte der deutschen Weihnacht“ geht hervor, dass unsere Vorfahren nur 3 Jahreszeiten kannten. Den Winter, den Frühsommer und den Spätsommer. Im alten Deutschland beginnt der Winter im November, wo Rindvieh und Pferde von den Weiden genommen wurden, während die Schweine noch draußen blieben, solange es noch Eicheln gab. In diese Zeit fällt das erste große Schlachten, festliche Tage für das Volk, bis im Dezember noch eine zweite Schlachtzeit folgt, wo die entbehrlichen Zuchttiere geschlachtet wurden. Nach Einführung des Christentums erhielten diese beiden Schlachtzeiten Namen, Martinstag und Nikolaustag (11. November und 06.Dezember). Bis zum Frühlingsanfang kommt kein Fest weiter. Den Jahresanfang verlegt Tille in den November. Dann kommt die römische Einteilung und ihr Einfluß auf die festlichen Bräuche. Die christliche Kirche gestaltet die ganze Zeit vor Weihnachten zu einer Festzeit (Advendszeit). Mit dem 9. Jahrhundert wird die christliche Weihnachtsfeier für Deutschland Gesetz und im 11. Jahrhundert auf 3 Tage beschränkt. Der Martinstag galt als Beginn der Winterjahreszeit. Er ist der alte Roßschlachttag an dessen Schmaußereien noch die Martinsgans erinnert. Am Andreastag (30.Nov.) stellte man junge Kirsch- oder Fliederzweige ins Wasser, damit sie an Weihnachten blühen sollten. Der Nikolaustag (6.Dez.) war der zweite große Schlachttag, Schmaus und Kindertag des deutschen Winteranfangs. An diesem Tage waren auch Umzüge üblich und es gab ein Nikolausbäumchen und Nikolausgeschenke. Doch der Tag ward als Orakeltag längst vergessen, nur in Beichlingen galt noch die Regel, dass die Zweige stillschweigend gepflückt werden müssen. Es galt auch der Glaube, dass Verlobte, die Zweige gemeinsam pflückten und die dann zu Weihnachten blühen, bald darauf heiraten werden. Die Weihnachtsbeschehrung hat sich erst Ende des 16. Jahrh. entwickelt. Der Weinachtsbaum war vor 1605 völlig unbekannt. Goethe hat ihn 1774 in die Literatur aufgenommen und 1780 begann er seinen Siegeszug durch Deutschland und 50 Jahre später durch die ganze Welt. Die Sitte von Umzügen von Vermummten am heiligen Abend war einst im ganzen Kreisgebiet heimisch. In Schillingstedt gab es die Sitte des Herumtragens eines Herodeskastens, eines auf einer langen Stange befindlichen Häuschens auch mit einer Bühne versehen, auf welcher bewegliche Puppen den Herodes und die heiligen 3 Könige darstellten. Einige Sitten und Bräuche sind von der heiligen Nacht zur Silvesternacht gewandert, so zum Beispiel das Bleigießen, dass hier und da von einer Erbsschüssel in eine andere erfolgte um die Zauberkraft zu zeigen. Auch sehr verbreitet und auch hier heute noch angewannt, die Sitte des Heringsessens, damit man das ganze Jahr Geld habe. Der Umzug der Götter erfolgte unter Sturm und Windeswehen. Man sah es gern wenn in dieser Zeit die Stürme die Bäume schüttelten. Denn man hoffte so auf eine gesegnete Obsternte. Gab es keine Stürme so half man nach wie z.B. in Beichlingen dort kannte man das Baumschütteln.

Aus der Zeit von Lichtmeß bis Johanni geht folgendes heraus. Allgemein gilt das Wetter am Tage der Lichtmeß noch heute als bedeutend. In der Regel galt hier der Spruch „Zu Lichtmeß sieht der Schäfer lieber den Wolf im Stall als die Sonne“.

An Gründonnerstag herrschte im ganzen Kreisgebiet die Sitte, grünes Gemüse auf den Tisch zu bringen. Die Hühnereier, die an diesem Tag gelegt wurden, sollen sich das ganze Jahr gehalten haben. Der Karfreitag war vielfach mit Aberglauben umhegt. Ohne in Einzelheiten einzugehen, sei gesagt, daß man die Nacht von Donnerstag zu Freitag gern zum „Verbüßen von Krankheiten“ wählte. Was Ostern anbelangt sei gesagt, dass die Osterfeuer im Kreisgebiet keine besondere Bedeutung hatten, diese waren mehr im Kyffhäuser, Hainleite und Harz verbreitet. Hier war mehr das Osterwasser schöpfen verbreitet, wo es in Haus und Hof mannigfaltig Verbreitung fand. In einigen Orten war es Brauch das Wasser zwischen 11 und 12 Uhr mit dem Strome zu schöpfen, hier in Schillingstedt war es eher gegen den Strom der Brauch. Osterwasser soll heilsam gegen Krankheiten und hautverschönernd gewirkt haben. In Schillingstedt begoss man die schlafenden Kinder mit solchen Wasser. An Pfingsten galt der Satz „schmückt das Fest mit Maien“. Und war’s auch nur ein Maienzweig den man ins Wasser stellte. Ein sehr verbreiteter Glaube war es an diesen Tag Räuberspiele zu veranstalten. Hier im Ort wurde der „Prinzen-Raub“ abgehalten. Vom Pfingstfest zum Johannistag, dem Tag der Blumen und Kränze. An diesem Tag loderten überall die Johannisfeuer von den Bergen. Auch wurden alte Fässer in Brand gesteckt. In Schillingstedt waren es alte Besen. Auch wurden die Häuser mit Blumenkränzen geschmückt. Hier möchte ich meine kleine Ausführung über Sitten und Bräuche aus alten Tagen beenden.




letzte Änderung: Wednesday, 26.06.2013, 21:20 Uhr

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