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Geschichte der Schillingstedter Mühle


Aus alten Urkunden und Akten in verschiedenen Archiven geht hervor, daß die Bauern von Schillingstedt ihr Korn in der Leubinger Mühle mahlen lassen mußten, der sogenannte Mühlenzwang.

Schon im 16.Jahrhundert, so aus alten Schriften, welche im Staatsarchiv in Wernigerode einlagern, kam es wiederholt zu Verstößen dieses Zwangsrechtes. Für die Bauern war der Weg zu weit und für die Kirche zu teuer, die die Fuhren für die Hintersättler (arme Bauern) mitfinanzierten.

Da von Schillingstedt keine Chronik aufzufinden ist, sind die baugeschichtlichen Angaben sehr dürftig. Als Baujahr wurde bisher die Jahreszahl 1840 aus dem Gutachten des Mühlenbaumeisters Max Lorenz angenommen. Da wie sonst bei anderen Bockwindmühlen keine Hinweise über den Erbauer und das Baujahr am Hauptbalken eingeschnitzt sind, hatte man keinen geschichtlichen Nachweis.

Doch erst im Jahre 1850 fand sich ein Müller aus Obersdorf, der den Mut hatte und die günstige Lage erkannte, hier eine Mühle zu bauen. Am 13. November 1850 stellte er beim Königlichen Landrat in Cölleda den Bauantrag, welcher ihm am 27.11.1850 erteilt wurde.

Inzwischen wurden aber Dokumente gefunden, die als Baujahr das Jahr 1851 als ziemlich sicher erscheinen lassen.

Über den Bau liegen leider keine Unterlagen vor. Im Kirchenarchiv von Schillingstedt steht aber geschrieben, daß der Fuhrbetrieb zur Leubinger Mühle am 2.März 1851 ein- stellt wurde. Dieses ist für uns des bisherige offizielle Datum der Erbauung der Bock- Windmühle. Als erster Müller wird Herr Karl Horn erwähnt.


Text aus dem Kirchenarchiv

Doch bereits 1860 steht sie schon wieder zum Verkauf im Cölledaer Anzeiger. Gekauft hat sie der Müller Karl Gottlieb Egerling welcher sie am 12.November 1894 an Herrn Albert Liebeherr verkaufte.


Eine Anzeige aus dem Cölledaer Anzeiger vom 16.03.1860 gilt als die älteste Erwähnung der Schillingstedter Bockwindmühle.


Auszug aus einem Kirchenprotokoll aus dem Jahr 1850 vom 02. März, in dem das Zwangsrecht der Leubinger Mühle aufgehoben wird und in der neuen Schillingstedter Mühle gemahlen wird.

Nachfolgend die Übersetzung dieses Textes in das Hochdeutsche. Auffällig an diesem Text ist die Vermischung von altdeutscher Schrift und lateinischer Schrift, wie sie in etwa noch heute geschrieben wird. In diesem Dokument wurden die amtlichen Begriffe in lateinischer Schrift geschrieben. In der Übersetzung sind diese Worte unterstrichen.

Bekanntlich ist nach der patronatischen, bei Einleitung der Verpachtung der Schillingstedter Kirchenländerei am 22. Oktober d.J. aufgenommenen Verhandlung und deshalb unterm 23sten j.m. ertheilten Resolution, zweckmäßig befunden und beabsichtigt worden, die Mühlfuhren welche von der Kirche in Schillingstedt, vermöge des mit dem Bäcker Johann Gottfried Schinköthe unterm 9. September 1748 mit höherer Genehmigung geschloßenen Erbzins Kontraktes über das der Kirche zuständig gewesene dasiege Backhaus und gleichzeitig mit Verpachtung eines der Kirche gehörigen Viertellandes auf 7 ½ Acker Feldes in Schillingstedter Flur, bei dieser Verpachtung und späterhin dieserhalb geschloßen.....


Drei Müllergenerationen haben in der Mühle im Laufe der Jahrzehnte ihr Brot verdient. Sie hatten es verdient mit einer sehr harten Arbeit. Während der Erntezeit hatten sie oft keinen Feierabend, da sich ihre Arbeitszeit nach den Windverhältnissen richtete. Wohl auch deshalb gehörten die Müller nicht gerade zu den unterprivilegierten Schichten. Verdiente ein Arbeiter im Jahr 1912 ungefähr 500 Reichsmark im Jahr, kam dagegen ein Müller auf etwa 2000 Reichsmark.

Aus dem Mahlbuch der Jahre 1912 bis 1917 kann man entnehmen, daß in der Schillingstedter Mühle ungefähr 175 Tonnen Getreide pro Jahr zu Mehl verarbeitet wurden.

1927 taucht dann der Name Hermann Gottschalk als Müller auf, welcher sie bis zur Stillegung im Jahre 1956 bearbeitete.

Nach Angaben von Dorfbewohnern war die Mühle bis zum Jahr 1956 in Betrieb. Reichlich ein Jahrhundert hat die Mühle Getreide gemahlen. Im Jahr 1952 brach ein Flügel. Daraufhin wurde bis zum Jahr 1954 noch mit zwei Flügeln gemahlen. Weitere zwei Jahre wurde in einem Nebengebäude mit einem Lanz-Bulldog gemahlen.

Von da an war die Mühle dem langsamen Verfall ausgesetzt. Die Mühle befand sich bis zum Jahr 1953 in Privatbesitz, bis zum Jahr 1956 wurde mit Rechtsträgerschaft der Gemeinde Korn gemahlen.

Seit dem Jahr 1964 bis zum Ende der 80-er Jahre wurde die Mühle nur notdürftig erhalten. Wind, Regen und Schnee haben sich immer wieder Zutritt verschafft.

Im Jahr 1983 war sogar ein Umzug der Mühle nach Weißensee geplant. Doch Dank des Einsatzes einiger aktiver Schillingstedter Bürger konnte dieser Umzug verhindert werden. Seit dem Jahr 1985 wurde um den Wiederaufbau gekämpft. Zwei Jahre später konnte der Wiederaufbau begonnen werden. Dabei fehlte es Anfangs an Material und nach der Wende manchmal auch an Geld. Doch im Jahr 1992 wurden die zeit- und kostenaufwendigen Arbeiten beendet.

Mit einem Festakt und großem Feuerwerk wurde dieses gefeiert. Seitdem werden Führungen durch die Mühle gemacht und jährlich ein Mühlenfest gefeiert.

Die Mühle ist heute selbstverständlich das Wahrzeichen des Ortes, wurde aber nicht im Gemeindewappen verankert, da diese seit je her in Privatbesitz war und erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts in Gemeindebesitz gelangte.





letzte Änderung: Wednesday, 26.06.2013, 21:26 Uhr

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